Costa-Gruppe, Stadt, Land und Port of Kiel sind sich einig: Die Kreuzfahrer erhalten eine Landversorgung mit Erdgas und Strom. Bereits im kommenden Jahr sollen die ersten Schiffe auf ihre Dieselmotoren während der Hafenzeit verzichten.

Der Einstieg in die Landversorgung ist geschafft. Bereits im kommenden Jahr soll mit der „Aida Prima“ das erste Kreuzfahrtschiff der Costa-Gruppe während der Liegezeit im Kieler Hafen die eigenen Diesel-Maschinen abstellen und von Land das Flüssigerdgas (LNG) erhalten. Die „Aida Bella“ und die „Aida Luna“ sollen im gleichen Zeitraum Landstrom von einer Anlage am Ostseekai beziehen, die gegenwärtig noch geplant wird und den Port of Kiel knappe zehn Millionen Euro kosten dürfte.

Wegen dieser hohen Ausgaben setzt der Kieler Hafen auf eine 70-prozentige Förderung von Seiten des Landes. Und auf die Befreiung von der EEG-Umlage für den Strom aus erneuerbaren Quellen. Dieses Plus auf den regulären Strompreis liegt gegenwärtig bei 3,5 Cent pro Kilowattstunde und würde die Versorgung der Schiffe mit Landstrom noch einmal verteuern – im Vergleich zum traditionell niedrigen Energiepreis in Skandinavien.

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer vermisst gegenwärtig noch klare Signale aus Berlin: „Der Bund lässt uns beim Thema Landstrom im Stich.“ Ministerpräsident Daniel Günther versprach an Bord der „Aida Luna“ dagegen die volle Unterstützung seiner Jamaika-Koalition, denn auch er weiß: „Ohne eine Absenkung funktioniert es nicht.“ Günther kam direkt aus der Landtagsdebatte, wo es um den Verkauf der HSH Nordbank ging – das Geldinstitut war bekanntlich durch faule Schiffskredite ins Strudeln geraten.

Doch die vier Partner, die gestern vor dem Panoramabild der Kieler Hafenkulisse die gemeinsame Absichtserklärung unterschrieben, zeigten sich zuversichtlich. Immerhin könnte Kiel, was die nachhaltige und abgasarme Energieversorgung der Kreuzfahrer angeht, zum Vorzeigehafen im gesamten nordischen Raum heranwachsen. Und die Reederei mit ihren schwimmenden Palästen will mit ökologischen Argumenten für ihre Kreuzfahrten werben. Weshalb sie sich die technische Umrüstung ihrer Flotte auch zwei Millionen Euro pro Schiff kosten lässt.

Michael Thamm als Geschäftsführer der Costa-Gruppe verfolgt sogar die Vision einer „emissionsfreien Kreuzfahrt“. Dirk Claus, Geschäftsführer des Kieler Seehafens, rechnet vor, dass bereits im Jahr 2019 bei 40 Anläufen die Kreuzfahrtschiffe von Land aus mit Energie versorgt werden könnten. Immer vorausgesetzt, das Land steuert die entsprechende Fördergelder bei.

Für die Stadt Kiel hat die enge Kooperation mit der Costa-Gruppe im Übrigen noch eine ganz andere Bedeutung. Das Unternehmen wird ab sofort die Kieler Woche finanziell unterstützen. Der Sponsor Aida lässt es kräftig krachen – er präsentiert erstmals das Abschlussfeuerwerk des Volksfestes.