Bei All-inclusive-Kreuzfahrten sind viele Extras im Reisepreis inbegriffen – allerdings nicht alle. Das Angebot variiert je nach Reederei. Wir geben einen Überblick über die Leistungen verschiedener Anbieter.

Urlaub in einem schwimmenden Hotel, in dem man so viel und so oft essen und trinken kann, ohne dabei ans Bezahlen auch nur denken zu müssen. In dem man Sport treiben, sich in Kursen weiterbilden oder einfach als Zuschauer abends eine Akrobatikshow oder ein Musical besuchen kann – alles ohne zusätzliche Kosten, einfach nur nach Lust und Laune. All dies und noch mehr verheißt ein All-inclusive-Urlaub, der auch von vielen Kreuzfahrtreisenden mit Vorliebe gebucht wird.

Es gibt nur einen Haken: Eine allgemein gültige Definition für den Begriff gibt es nicht, weder an Land noch auf See. Welche Leistungen tatsächlich in den Reisekosten enthalten sind, entscheidet also der Veranstalter, und er ist an keine Mindeststandards oder Vorgaben gebunden.

Silversea Cruises wirbt sogar mit „More Inclusive“, wobei man sich fragen darf, was „mehr“ als „alles“ sein kann. Dahinter verbergen sich ermäßigte oder kostenlose Flüge auf einzelnen Routen. Dass alles kostenfrei ist, bedeutet dies nicht. Landausflüge sind bei den Expeditionsschiffen inklusive, bei allen anderen Schiffen der Reederei nur ausnahmsweise. Spezialitätenrestaurants, Transfers und in der Regel auch Flüge müssen meist gesondert gezahlt werden.

Keine einheitlichen Regeln auf Kreuzfahrtschiffen

Bei All-inclusive-Seereisen lohnt es sich also besonders hinzusehen, was alles bereits vor Abfahrt bezahlt ist und was extra kostet. Anders als an Land gibt es auf einem Kreuzfahrtschiff keine Ausweichmöglichkeit, um in einem günstigeren Restaurant essen zu gehen oder sich mit Getränken aus dem Supermarkt einzudecken.

Sobald das Schiff abgelegt hat, muss der Urlauber damit vorlieb nehmen, was darauf geboten und als Preis verlangt wird. Da ist es tatsächlich eine große Erleichterung, nicht immer mit einem Auge auf das Reisebudget schielen zu müssen, wenn einem der Sinn nach Sekt, Bier oder einen Snack zwischendurch steht.

Verständlicherweise kann nicht alles auf einem Kreuzfahrtschiff umsonst sein. Wer im Bordshop einkauft, zum Friseur geht, über das Satellitentelefon telefoniert, im Kasino auf den großen Gewinn setzt oder sich eine Massage gönnt, wird auch auf einer All-inclusive-Reise dafür zahlen müssen. Gleichzeitig sind auch auf Kreuzfahrten ohne All-inclusive-Buchung viele Leistungen bereits im Reisepreis enthalten. Dazu gehören Shows und ein Großteil des übrigen Unterhaltungsprogramms.

Mittlerweile selbstverständlich ist, dass Schiffsreisende mit Vollpension gerne rund um die Uhr mit Essen versorgt werden möchten. In einer Ferienanlage oder einem Hotel mit All-inclusive-Buchung umfasst das kulinarische Angebot hingegen häufig nur Frühstück, Mittag- und Abendessen in Buffetform.

Bei Getränken an Bord gibt es ebenfalls keine einheitlichen Regeln. All-inclusive auf Kreuzfahrt bedeutet zwar meist, dass alkoholische und nichtalkoholische Drinks im Kreuzfahrtpreis eingeschlossen sind. Zwischen den Reedereien gibt es aber große Unterschiede, was den Umfang und die Qualität der Auswahl angeht.

Auf Luxusschiffen der Reedereien Regent Seven Seas Cruises, Silversea Cruises und Seabourn Cruise Line gehören Champagner und Flaschenweine genauso dazu wie Wasser. Anders ist dies auf Kreuzern, die ein größeres Publikum bedienen. Auf den Schiffen von TUI Cruises etwa gibt es Sekt zwar bereits zum Frühstück, allerdings nur von der Eigenmarke. Champagner wird auch angeboten, kostet aber zusätzlich. Bei Norwegian Cruise Line (NCL) sind Cocktails bis 15 US-Dollar umsonst. Für alle teureren Mixgetränke muss die Differenz gezahlt werden.

Auch bei All-inclusive-Kreuzfahrten gibt es Nebenkosten

Hat man sich für ein Schiff mit All-inclusive-Konzept entschieden, können sich zudem Nebenkosten im Kleingedruckten verstecken. Auf dem Bordkonto gerne zu Buche schlagen Transfers zum und vom Schiff, Ausflüge, Essen in Spezialitätenrestaurants, Trinkgelder, Behandlungen im oder gar der Zutritt zum Wellnessbereich und ein Espresso, der seinen Namen auch verdient.

Mitunter kosten auch Sportkurse wie Yoga oder Pilates extra. Beim Luxusanbieter Azamara Club Cruises sind die Transfers zum und vom Schiff inkludiert, bei den ebenso luxuriösen Konkurrenten Seabourn, Silversea und Sea Dream Yacht Club müssen diese jedoch meist zusätzlich gezahlt werden.

Das umfassendste All-inclusive-Versprechen macht die amerikanische Reederei Regent Seven Seas Cruises. Auf den Luxusschiffen ist so ziemlich alles inkludiert. Der Champagner ebenso wie der Cognac, die Ausflüge genauso wie das Internet. Auch für Spezialitätenrestaurants muss kein Gast gesondert zahlen.

Das ist bei anderen Anbietern nicht selbstverständlich. Wer bei Silversea im edlen „La Dame“ oder im japanischen „Kaiseki“ dinieren will, muss derzeit eine Reservierungsgebühr von 30 Dollar zahlen. Ebenso viel kostet auch das Dinner im „Aqualina“ oder „Prime C“, den Spezialitätenrestaurants von Azamara. Suitengäste zahlen allerdings keinen Aufpreis. Bei Sea Dream stehen alle Restaurants allen Gästen kostenfrei zur Verfügung.

Champagner und Wein kann man sich bei Silversea Cruises vom eigenen Butler zu jeder Tages- und Nachtzeit auf die Suite servieren lassen. Eine stets gefüllte Minibar mit den bevorzugten Weinen und Softdrinks versprechen Silversea ebenso wie Seabourn. Auch bei Sea Dream Yacht Club kann sich jeder Gast an der Bar seine Drinks bestellen, als sei es die eigene Hausbar. Extra bezahlen muss man bei allen dreien allerdings besonders edle Spirituosen und Weine.

Vorreiter auf dem deutschen Markt ist TUI Cruises

Auffällig ist, dass Hapag-Lloyd Cruises, die Reederei mit den als „weltbeste Schiffe“ ausgezeichneten „Europa“ und „Europa 2“, kein All-Inclusive anbietet. Eine Reedereisprecherin betont auf Anfrage, dass ein solches Angebot nicht zum Luxusverständnis und zur Philosophie an Bord passe. Hintergrund sei ein großer logistischer Aufwand, um eine große Vielfalt, etwa an hochwertigen Weinen, sicherzustellen.

All-inclusive-Vorreiter auf dem deutschen Markt ist TUI Cruises. Knapp eineinhalb Jahre, nachdem die Reederei ihren ersten Ozeanriesen, „Mein Schiff 1“, im Mai 2009 in Dienst gestellt hatte, führte sie das so „Premium Alles Inklusive“-Konzept ein. Das Wort „Premium“ soll unter anderem darauf hinweisen, dass kein billiger Fusel, sondern rund einhundert Markengetränke und Cocktails in unbeschränkter Menge und ohne Zuzahlung erhältlich sind. Bestellen können Reisende auf den mittlerweile sechs Schiffen von TUI Cruises alle Getränke an den Bars ebenso wie zum Fünf-Gänge-Menü oder am Buffet.

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Auf diese Weise will man sich wohl auch von AIDA Cruises unterscheiden. Denn für den Kreuzfahrtriesen gilt weiterhin, dass All-inclusive kein Thema ist. „Viele Getränke wie Bier, Wein, Softdrinks und Wasser sind bei den Mahlzeiten in den Buffet-Restaurants inkludiert“, so Kathrin Heitmann von AIDA Cruises. Das entspreche den Wünschen der Gäste. Der Grundtarif böte ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Deshalb werde es auf AIDA-Schiffen auch künftig kein All-inclusive-Angebot geben.

Norwegian Cruise Line (NCL) nennt sein Angebot „Premium All Inclusive“, ganz ähnlich wie TUI Cruises. Die Unterschiede liegen im Detail. Auf NCL-Schiffen beispielsweise können nicht alle Passagiere All-inclusive wählen. Dies war seit Dezember 2015 zunächst den deutschsprachigen Gästen vorbehalten.

Nach und nach wird das All-inclusive-Programm nach Angaben der Reederei auf alle europäischen Gäste ausgedehnt. Andere Nationalitäten zahlen jedes Getränk einzeln oder können Getränkepakete kaufen. Amerikaner seien nicht so preissensibel wie Europäer, erklärt das Unternehmen. Neu bei NCL ist eine Stunde Gratisinternet pro Person und Reise. Und „Premium All Inclusive Plus“, ein Angebot für ausgewählte Reisen, beinhaltet neben Gratisstunden für Internet und Telefon auch Hotel-, Ausflugs- und Fluggutscheine.

Ist Trinkgeld auf Luxuslinern im Reisepreis enthalten?

Ein sensibles Thema ist das Trinkgeld – gerade auf Luxusschiffen, auf denen formvollendeter Service geboten wird und wo die Gäste von vielen Crewmitgliedern umsorgt werden. Wer All-inclusive anbietet, schließt Trinkgelder in der Regel mit ein.

Um peinliche Situationen zu vermeiden, hat Seabourn den Passagieren in den Anfangsjahren sogar verboten, Trinkgeld an die Crew zu verteilen. Es sei aber der Wunsch der Gäste gewesen, eine Aufmerksamkeit geben zu dürfen, weshalb die Regel gelockert worden sei, so die Reederei.

Grundsätzlich sei das Trinkgeld aber auch heute bereits im Reisepreis enthalten. Jedes Extra sei eine gesonderte Anerkennung für besondere Leistungen. Manchmal ist das „Mehr“ zwar inklusive, kann aber dennoch zusätzlich belohnt werden.