Eine Reise mit einem Großsegler lässt Nostalgiegefühle aufkommen und vermittelt Seefahrer-Romantik pur.

Sie ist eine wahre Augenweide zwischen all den riesigen Kreuzfahrtschiffen, den plumpen Fähren und den vollgestopften Containerschiffen, die im Hafen von Piräus vor sich hin dümpeln. Sie, das ist die blendend weiß gestrichene, 115 Meter lange Star Flyer, ein Großsegler mit vier Masten.

Das elegante Schiff – sagen Sie niemals Boot zu ihr – erinnert auf Anhieb an romantische Seefahrer-Geschichten längst vergangener Epochen. Und selbst Passagiere, die bereits beim Anblick eines Wasserfahrzeugs seekrank werden, können sich nicht dem Charme des Nostalgieseglers entziehen. „Sieht ja echt schnieke aus“, flüstert jedenfalls eine bleiche, recht angespannt wirkende Dame beim Boarding ihrem Begleiter zu.

Lang kann (muss) sie das Segel-Feeling ohnehin nicht genießen (ertragen). Läuft die Star Flyer doch lediglich zu einem 4-tägigen Kurztörn Athen-Mykonos-Hydra-Athen aus.

Schwimmwesten anlegen

Kaum sind die Kabinen bezogen ist das Sicherheitstraining für alle Passagiere Pflicht. Was im Klartext bedeutet: Jeder kommt mit angelegter Schwimmweste zum zugewiesenen Sammelpunkt. Dort erklärt dann ein Crew-Mitglied, was im Fall des Falles zu tun ist. Kurz gesagt, gilt Folgendes: Panik vermeiden, Schwimmweste anlegen, rasch zum Sammelplatz kommen, den Anweisungen des Bordpersonals Folge leisten. Klingt einfach und beruhigt ungemein.

Am Abend legt die Star Flyer schließlich ab. Alle Passagiere sind an Deck und aus den Bordlautsprechern ertönt „Conquest of Paradise“ von Vangelis (passt super) solange bis die Lichter von Athen immer kleiner werden und verschwinden.

Aus dem Segeln wird nichts. Kein Wind. Was sich im Lauf der Nacht noch ändern wird. Denn im Lauf der frühen Morgenstunden bläst es immer stärker, der Kapitän spricht von Windgeschwindigkeiten zwischen 35 und 40 Knoten (mehr als 70 km/h). In den Kabinen merkte man davon kaum etwas, lediglich gegen das Bullauge klatscht hin und wieder ein Schwall Meereswasser. Aber: Mykonos muss gestrichen werden. Der starke Wind und der hohe Wellengang machen das Anlanden im Tender (kleines Beiboot) unmöglich. Kapitän Yuriiy Slastenin nimmt daher Kurs auf die nächste Insel: Paros.

Und da spielt das Wetter wieder mit. Der Wind lässt nach, die See wird ruhiger. Wer will, kann mit den Beibooten nach Parikia übersetzen. Der Ort ist das Schifffahrts- und Transportzentrum für die Kykladen. Außerdem steht hier eine der schönsten Kirchen Griechenlands, die Panagia Ekatontapyliani („die mit den hundert Pforten“). Ein byzantinischer Kirchenkomplex aus dem 4. Jahrhundert n. Chr., der einen Besuch durchaus Wert ist.

Danach geht es Richtung Norden zum Strand Kolimbithres, der durch natürliche Felsformationen in mehrere Badebuchten unterteilt wird. Dazu noch feiner Sand, viel Sonne und kristallklares Wasser: Griechenland von seiner schönsten Seite. Was auch für das nahegelegene Hafenstädtchen Naoussa gilt. Weißgestrichene, kleine Häuser mit blauen Türen und Fensterläden, enge, schattige Gassen, ein romantischer Hafen mit den obligaten Tavernen und Restaurants.

Viel Zeit zum Genießen bleibt da nicht. Die Star Flyer wartet, es geht weiter nach Hydra. Diesmal unter Segeln. Und das sind gezählte 16 Stück mit einer Gesamtfläche von exakt 3365 Quadratmetern.

Maultier-Taxi auf Hydra

Vor Hydra ankert die Star Flyer in der Bucht vor dem gleichnamigen Hauptort. Der Hafen ist voll und recht klein. Fischerboote und Luxusjachten liegen eng neben einander. Und an der Mole stehen schön aufgereiht die Taxis des Ortes: Maultiere mit Packsätteln, denn Autos gibt es auf der Insel keine. Einzige Ausnahme: ein Feuerwehrwagen. Die musealen Vorschriften (nichts darf dazu gebaut werden, auch keine Satellitenantennen oder Solarzellen) locken dafür tausende Tagestouristen und auch eine Reihe von Prominenten, die hier ein Haus kauften. Leonhard Cohen besaß eines und holte sich die Inspiration für die Songs „Bird on the Wire “ und „So long, Mariann“. Henry Miller beschrieb seine Eindrücke von der Insel in seinem Buch „Reise in ein altes Land“ und der britische Multimillionär Richard Branson erwarb hier ebenfalls ein Haus und wollte eine Hotelanlage errichten. Scheiterte jedoch an Bürgern und Bürgermeister. Was George Koukoudakis, 39, der neue und seit 180 Jahren jüngste Ortschef heute etwas anders sieht. „Eine nachhaltig gebaute, dem Stil der Insel angepasste Anlage, würde ich nicht von vorne herein ablehnen“. Und die geschätzt 2000 Katzen der Insel (man begegnet ihnen an allen Ecken und Enden der Stadt) hätten wohl auch nichts dagegen.

Bei der Rückfahrt zum Schiff bieten Kapitän und Crew ganz großes Segel-Theater: Die Star Flyer wird voll aufgetakelt und die Matrosen – in weißer Uniform, versteht sich – präsentieren sich aufgefädelt am Bugspriet. Kurzum, die Speicherkarten von Handys und Fotoapparaten glühen.

Pures Glücksgefühl

Dann wird der Anker gelichtet, „Conquest of Paradise“ tönt aus den Lautsprechern, Kurs Athen liegt an. Und vielen wünschen sich, dass die Nacht ewig dauern möge. Denn an Deck zu sitzen, dem Wind in den Segeln zu lauschen und das Meer rauschen zu hören vermittelt pures Glücksgefühl. Und das hält auch hartnäckig an, wenn man mit dem Wachhabenden auf der Brücke plaudert, an der „Tropical Bar“ einen Drink nimmt oder im Speisesaal kulinarische Köstlichkeiten genießt und sich irgendwann doch erschöpft in die elegante Kabine zurückzieht.

Übrigens: „Madame Schnieke“, die beim Check-in so angespannte deutsche Passagierin war auf Nachfrage „keine Sekunde lang seekrank“ und will „das Segel-Abenteuer unbedingt wiederholen“.

Anreise Aegean fliegt im Sommer bis zu 9x pro Woche  WienAthenWien. Ab 181 € inkl. 8 kg Handgepäck.Flex Fare (23 kg Gepäck und Handgepäck) kostet ab 261,28 €.www.aegeanair.comAthen wird  auch von der AUA angeflogen. Ab 125 € www. austrian.com

Unterkunft In Athen bietet sich das zentral gelegene 5* Hilton Athen (46 Vassilissis Sofias Avenue) an. Es hat nicht nur einen großen Außenpool und ein interessantes Spa sondern auch  mit der Galaxy Bar im obersten Stock den wohl  schönsten Überblick über die Stadt. Die Akropolis ist zum Greifen Nahe. An klaren Tagen kann man bis zum Meer sehen. Preise ab etwa 252 € . www.hiltonhotels.de

Starclipper Star Flyer und Star Clipper sind Schwesterschiffe und interpretieren die große Zeit der berühmten Clipper-Segler. Die beiden Viermast-Großschiffe wurden 1991/92 gebaut, sind 115 Meter lang und 15 Meter breit. Ihr Tiefgang beträgt 5,6 Meter und die 63 Meter hohen Masten tragen 16 Segel mit einer Gesamtfläche von 3365 . Maximal 170 Passagiere werden an Bord genommen. Es gibt ein Restaurant mit freier Sitzplatzordnung, zwei Bars, einen kleinen Swimmingpool, eine kleine Bibliothek mit Kamin nach dem Vorbild britischer Privatklubs,  und weitläufige Decks aus Teakholz. Es wird  überwiegend (wenn  es Wind und Wetter ermöglichen) gesegelt.

Angebot Hofer Reisen – bietet eine Griechenland-Kreuzfahrt auf der Star Flyer an. AUA-Flüge nach Athen sind inkludiert. Sieben Übernachtungen mit Vollpension am Schiff. Reiseroute:  Nördliche Kykladen ab/bis Athen: Piräus – Kusadasi – Patmos – Amorgos – Mykonos – Monemvasia – Piräus. Buchungszeitraum:1. –30. 4. 2018
Termine: 4. –11. 8. 2018,  18. –25. 8. 2018 ab 1999 € pro Person. www.hofer-reisen.at

Auskunft starclippers.com, visitgreece.gr